Klarstellung vom Referent für
Digitale Betriebsarten im DARC Distrikt Berlin und stellv. DV Berlin
Thomas Osterried, DL9SAU, hier veröffentlicht als zusätzliche Information.
Das Original dieser Meldung ist auf den Webseiten des Distrikts
einzusehen. http://www.darc.de/d/d00/akt.htm
Stand 2007-04-03
Liebe YLs und OM,
die aktuellen Entwicklungen um unsere Relais-Standorte in Deutschland bewegen
die Gemüter. Und wo spekuliert wird, wird einiges zusammengereimt. Daraus
entstehen Gerüchte. Als Referent für Digitale Betriebsarten im Distrikt Berlin
habe ich mich lange mit dem Thema auseinandergesetzt und weiß auch um die
Schwierigkeiten, an genaue Informationen zu kommen bzw. die Hintergründe zu
erfahren, die Anlass der Entwicklungen sind oder sein mögen.
1. Das ATV-Relais DBØKK
Das ATV-Relais DBØKK befindet sich seit dem Jahre 1993 auf einem Hochhaus in Berlin-Lichtenberg. Das Haus hat mittlerweile seinen Besitzer gewechselt. Die alten Verträge regelten den Zugang zum Dach. Die helfenden Hände bei Wartungsarbeiten sorgten wohl für Missmut bei der Hausverwaltung, die ihrerseits von den Verträgen nichts wusste. So kam irgendwann ein neues Schloss an die Tür zum Dach, was gegen den Vertrag war. Die Situation eskalierte und endete darin, dass man Verträge auch kündigen bzw. hohe Kosten für den Standort erheben könnte. Der aktuelle Stand (Ende März 2007) der Entwicklung bzw. Übereinkunft ist, dass DBØKK bis auf weiteres unter den bisherigen Konditionen den Standort weiterbetreiben kann.
2. Automatische Stationen und Relaisfunkstellen auf Fernmeldetürmen der DFMG
Die Deutsche FunkTurm GmbH, www.dfmg.de, ist ein Unternehmen der Deutschen Telekom Gruppe. Auf Ihrer Startseite im Internet steht "DFMG Deutsche Funkturm GmbH plant, realisiert, betreibt und vermarktet Antennenträger."
Geschichtliches:
Die Deutsche Bundespost hat den VFDB, das ist der Verband der Funkamateure die
bei der Deutschen Bundespost arbeiten, jahrzehnte lang, bis 1990 gefördert.
Bestandteil der Förderung war u.a. die die kostenlose Nutzung von DBP-eigenen Räumen
durch den VFDB. Grundlage der Förderung waren Verfügungen des seinerzeit zuständigen
Ministeriums. Mit der Postreform wurden die Förderungsverfügungen aufgehoben.
Die Türme wurden dann von der DeTeImmobilien verwaltet. Man einigte sich auf
einen Kompromiss für einen Rahmenvertrag: 100,- DM pro Jahr je Standort. OM Günter,
DL6IM, der im Vorstand des VFDB damals den Rahmenvertrag verhandelte, hat kürzlich
im BBS die Entwicklung detailliert beschrieben. Nachzulesen unter: http://db0fhn.efi.fh-nuernberg.de:8080/cmd?cmd=dir+digi+O3HDB0II_021.
Mittlerweile wurde aus der DeTeImmo die DFMG, welche gewinnorientiert arbeiten
muss. Gleichzeitig wird die Technik immer kleiner und kompakter, d.h. weniger
einträgliche Standortflächen, bzw. viele bisherige Nutzer von Funktechnik
haben sich gänzlich von den Türmen verabschiedet.
Zurück zu den aktuellen Ereignissen: Unser Rahmenvertrag sollte neu verhandelt werden, doch das verlief bisher ohne Ergebnis. Nachdem im Jahre 2005 auf dem Brocken ein ehemals kommerzieller und dann für den Amateurfunk weitergenutzter Spiegel am Telekom Standort Brocken abstürzte, konnten bundesweit keine neuen Telekom-Standorte für den Amateurfunk mehr erschlossen werden (dies ist übrigens eine Ursache dafür, dass unser Packet-Radio-Netz erste Lücken aufwies, denn weggefallene Standorte konnten nicht durch neue ersetzt werden).
Im DARC e.V. Nachrichten-Archiv (leider kein Linkverweis möglich) findet sich die Mittelung vom 22.02.2007: "Deutsche Funkturm GmbH ändert Nutzung von Amateurfunkanlagen". Die Originalversion der Anordnung findet sich unter: http://www.trg-radio.de/dfmg.pdf. Nun kann man schimpfen oder das Unternehmen in seiner Finanznot bemitleiden (Presseberichten zufolge sollen die Fernmeldetürme verkauft werden, siehe z.B. www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/03.03.2007/3119089.asp) - es ändert nichts an den Auflagen und der notwendigen Erfüllung zum 30.04. an allen 48 Telekom-Standorten gleichermaßen. Denn das vorläufige "Glück im Unglück" ist, dass uns nicht die Nutzung komplett gekündigt wurde, was einen vollständigen Rückbau und Aufgabe aller Telekom-Standorte bedeutet hätte. Ich denke das sollte man fairerweise nicht vergessen! Bei einem möglichen Verkauf der DFMG ist aber nicht auszuschließen, dass ein der neue Besitzer das alles wieder völlig anders sieht. Beide Möglichkeiten (Förderung oder sofortiger Abbau) sind denkbar. Zunächst steht aber der angeordnete Rückbau, der viele Standorte betrifft, an, mit allen Konsequenzen (s.u.).
Die Auflagen im Detail:
Die Auflagen beziehen sich auf bestehende Standorte. Für neue Standorte gibt es weiterhin keine Vertragsgrundlage. Nur leider treffen uns die m.E. zu strengen Auflagen besonders hart an Standorten mit Packet-Radio-Einstiegen und Interlinks oder ATV-Sendern, und ganz besonders wenn dort noch Fonie-Relais untergebracht sind (- zählt als "ein Standort").
Dem kurzfristigen Abbau einem großen Teil unserer Technik fallen z.B. auch größere Spiegel zum Opfer, die in dieser Form für uns, selbst wenn sich die Verträge später wieder günstiger für uns entwickeln würden, nicht kostenneutral wiederbeschaffbar sind. Damit wird sich unsere bisherige Infrastruktur grundlegend ändern.
Für Berlin ergibt sich daraus folgende Entwicklung:
Abschließend bleibt zu hoffen, dass sich kurzfristig doch noch ein Sinneswandel einstellt. Der Amateurfunk als - per Gesetz - nichtkommerzieller, unabhängiger, Experimental-Funkdienst hat über die Jahrzehnte der Post / Telekom zu HF-versiertem Nachwuchs verholfen (und umgekehrt: viele Diplomarbeiten der FH-DBP-Berlin und anderer Hochschulen haben DBØBLN erst zu dem gemacht was es jetzt ist). Wissenschaftliche Beobachtung von Funkbaken haben viel zum Verständnis von Ausbreitungsbedingungen auf hochfrequenten Bändern beigetragen. Und auch für den Notfunk ist der robust-analoge Amateurfunkdienst eine wichtige Ergänzung.
73, Thomas Osterried, DL9SAU, Referent für Digitale Betriebsarten im Distrikt Berlin und stellv. DV Berlin